Geburtsbericht. Carolina

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Teresa Casamonti
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Eine natürliche Geburt. Das war mein Wunsch. Kam meine erste Tochter doch mit Kaiserschnitt zur Welt und lief alles genauso ab, wie ich sie mir absolut nicht vorgestellt hatte. Manchmal bin ich deswegen immer noch sehr, sehr traurig. Traurig darüber, dass ich meine Tochter damals nicht direkt bei mir haben durfte. Traurig, über meine Unbeweglichkeit nach dieser OP. Traurig, dass mein Körper mit seinem ganzen Schmerz, meine gesamte Aufmerksamkeit hatte. Die Aufmerksamkeit, die ich lieber hunderprozenting meiner Tochter geschenkt hätte. Und wisst ihr - manchmal glaube ich sogar, dass wir es vermissen. Ganz unbewusst. Dass wir es vermissen, die Zeit des Bondings nicht gehabt zu haben. Ich bei meiner ersten Geburt auch noch zu unerfahren und mich von zu vielen Dingen hab verrückt machen lassen.

Aber diesmal sollte alles ganz anders werden. War ich in dieser Schwangerschaft doch schon so viel entspannter und ganz bei mir. Viel feinfühliger und sensibler zu mir selbst. Auch das Krankenhaus war diesmal ein Ort für mich, der mir keine Angst machte, den ich also bewusst nicht vermeiden wollte, sondern mit dem ich arbeiten wollte. Wo ich mir selbst die Geburt schaffen sollte, die ich mir am Ende doch so sehr wünschte. Selbstbewusst und selbstbestimmt. Und so kam es dann auch:

Am 07.05. kam meine Tochter um 19.03 auf die Welt. Auf natürlichem Wege. Und nur mit Hilfe meiner Hebamme. Intim und selbstbestimmt. So wie ich es mir gewünscht habe:

„Da war dein Gefühl doch richtig“, sagte meine Hebamme „Die Pforte rief nämlich auch vorhin schon im Kreißsaal an und sagte mir, dass da gleich jemand kommen wird, der es ganz eilig hat!" Unfassbar glücklich und vollkommen überwältigt von dem was da gerade eben passiert ist, lag ich da, meine gerade frisch geschlüpfte Tochter auf der Brust und konnte es selbst nicht glauben, dass wir gerade eben erst ins Krankenhaus kamen. Und jetzt – nach nur 50 Minuten war sie schon da.

Was vorher geschah:

Es war 17 Uhr und wir waren gerade fertig mit Essen. Bei dem schönen und sonnigen Sonntagswetter luden wir spontan zum Besuch meiner Eltern noch unsere Freunde ein. Gerade berichtete sie mir von den vielen Obdachlosen, die wie Zombies durch Los Angeles schlichen, als sich plötzlich mein Bauch wieder verkrampfte, sich mein Unterleib zusammen zog und mein Steißbein anfing zu brennen.

Also stand ich auf. Ging ein Stück alleine durch den Garten und beschloss am Ende duschen zu gehen. Nichts. Ich konnte es definitiv einfach nicht einschätzen, ob es nicht doch nur wieder Senkwehen waren.

Doch einige Zeit später wusste ich es: es war soweit. Definitv. Es ging los. Jetzt. Keine Minute sollten wir mehr verstreichen lassen.

An der Pforte vorbei, ging es direkt in den Kreißsaal durch. Die Hebamme, mit dem wundervollen Namen Paulina, begrüßte ich auch schon mit den Worten: „Wir bekommen wohl JETZT ein Baby“. Sie schloss mich ans CTG, untersuchte mich und kam zu dem Befund: „Wir liegen bei 2 cm Öffnung“. Alles ganz entspannt also. Ich konnte es nicht glauben.

20 Minuten vergingen. 20 Minuten, in denen mein Mann zur Anmeldung zurück spazierte und meine Hebamme nebenan meine Geburtsplanung studierte. 20 Minuten, in denen ich ganz alleine im Kreißsaal verbrachte. In dieser kurzen Zeitspanne überrollten mich plötzlich Wehen, so unsagbar heftig und häufig, dass ich mich nicht mal mehr hinsetzen konnte, sondern nur im Stehen, auf das Bett stützend, diese Schmerzen verarbeiten wollte. Ich ließ sie zu. Ließ meinen Körper arbeiten und beobachtet, wie der Schmerz und der Druck im Steißbein heftiger wurde. Ein Schmerz, so unbeschreiblich, dass man ihn einfach zulassen muss, denn sollte man dagegen ankämpfen, wusste ich: kann man nur verlieren.

Dann der Befund: 8 cm. Wir ließen Badewasser einlaufen. Eine Wassergeburt wäre jetzt genau das richtige. Doch dazu kam es nicht. Wenige Minuten später verkündete ich meiner Hebamme, dass es los geht. Sie lief rüber, stellte das Wasser ab und kam zurück. Um mich nochmal untersuchen zu können, setzte ich mich halb aufs Bett und lehnte mich in die Arme meines Mannes. 10cm. Wir konnten also starten. Sechs Presswehen später sahen wir das Köpfchen. Eine unglaublichen langen Wehenpause und einer weitere heftigen Presswehe später war sie dann da. Meine Tochter.

Vielleicht der schönste Moment dieser Welt.

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