Vom klassischen Familienmodell und seinen Vorurteilen

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Teresa Casamonti
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Du bist kein gutes Vorbild, sagen sie. Du lebst deinen Kindern einen verstaubtes und falsches Familienmodell vor. Ich bleibe bei meinem Kind zu Hause. Darf ich mich dann noch Feministin nennen?


Familienarbeit ist genauso wichtig wie Erwerbsarbeit! In der Theorie vielleicht, aber das, was ich hier jeden Tag leiste, wird bei weitem nicht so wertgeschätzt wie jeder andere Job. Leider. Ich erfülle mir einen Traum und bleibe bei meiner Familie zu Hause. Solange es so für uns funktioniert, ist es doch toll, oder? Leider darf man das nicht laut sagen, wenn man nicht abgestempelt werden will. Man wird richtig klein geredet. Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt. Über die Mütter, die sich bewusst für die Familienarbeit entscheiden. Sie werden vielleicht sogar für bequem gehalten.


Dieser Feminismus. Was will er eigentlich? – Gleichberechtigung? Mehr Rechte für die Frau? Mehr Entscheidungsfreiheit? Aber dann auch bitte nur so, wie es sich für alle richtig anfühlt, oder?

In meinem Freundeskreis gibt es viele. Viele Frauen, um die 30 Jahre. Sie sind gut ausgebildet und selbstbewusste. Es sind Frauen, die in gleichberechtigten Partnerschaften leben und emanzipiert sind. Frauen, die ihre Entscheidungen auf Grundlage dessen treffen, was sie selbst für richtig halten. Frauen, die wissen was sie wollen und sich ihrer Fähigkeiten bewusst sind. Voller Selbstvertrauen, in das, was sie sind und was sie sein wollen. Frauen, die sich selbst organisieren und ihr Leben selbst in der Hand haben .

Bis sie Mütter werden. Bis sie sich dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben.

Feminista goes Wifey


Ist die Frage nach den tiefen Bedürfnissen von Mutter und Kind also so etwas wie Verrat an der feministischen Idee? Ein Kind bedeute ja schließlich Einschränkungen, in jeglicher Hinsicht. Auch ich habe mein Leben schön gestaltet und bin beruflich “weit” gekommen. Wer hätte das gedacht. Nach einer wilden Teenagerphase und einem doch recht holprigen Studienweg habe ich meinen Bachelor absolviert und ein Volontariat beschritten, hier und da als freie Journalistin gearbeitet, und am Ende einen Fashionstore gemanagt. Meine Ambitionen hoch, meine Freizeit gering. Workaholic? War ich. Liebte es. Arbeitet mit Leib und Seele. Für einen Job, der mir Spaß machte und bei dem ich mich zukünftig auch in hören Ligen spielen sah. Doch der für mich größte Schritt in meinem Leben stand mir dann im Herbst 2015 bevor. Ich erwarte mein erstes Kind. Und ich wusste, ich würde dafür meinen Job an den Nagel hängen.

Couple Goals


Wer sagt, dass ich meinem Job, gar meinen Bedürfnissen nicht nachkomme? Ich bin studierte Medienmanagerin. Gelernte Redakteurin. Ich betreibe einen Blog, der mir viel Freude und Spaß bereitet - und nun bin ich hauptberuflich: Mutter. Ich achte auf mich und trage dennoch die Verantwortung für meine Familie. Ich habe einen Mann, der mich mindestens genauso unterstützt und der dieselben Aufgaben im Alltag übernimmt, wie ich es tue.

Ja, mein Mann und ich sind ein zeitgemäßes Paar, mit viel Respekt füreinander und voller Power und dem starken Willen, alles zu schaffen, was wir wollen. Wir sind finanziell unabhängig und denken nicht in alten Mustern. Wir sind beide emanzipiert und gleichberechtigt und trotzdem erfülle ich offensichtlich das klassische und typische Rollenbild und bleibe mit meinen Kindern zu Hause. Während mein Mann weiter draußen arbeiten geht.

Ich glaube ganz fest an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich respektiere und schätze die Mütter, die ihre Kinder frühzeitig in die Fremdbetreuung geben müssen oder wollen, um Geld zu verdienen. Ich weiß, wie schwer dies einigen fällt und wie gerne die anderen neben ihrer Rolle als Mutter auch in ihrem Job nachgehen möchten. Ich glaube auch daran, dass Frauen alles schaffen können, was sie wollen. Sie müssen nur wissen, was das ist. Und eben auch: ganz egal was ist.

Meine Prioritäten, meine Entscheidungen


Ich habe dieses Kapitel meines Lebens irgendwie immer schon erwartet. Und auch wenn am Ende alles anders kam als gedacht, so wusste ich ziemlich schnell, was ich mir für meine Zukunft vorgestellt habe. Nun bin ich Mutter. Hausfrau und Selbständige.

Obwohl wir - als Mütter, als Väter, als Eltern - die Zukunft des Landes sichern, frage ich mich oft, warum wir dann so wenig wertschätzt werden. Warum muss ich mich immer und immer wieder verteidigen. Kämpfen. Für mehr Gerechtigkeit. Für mehr Verständnis. Denn weibliche Selbstbestimmung kann eben auch bedeuten, sich für Kinder und Familie und gegebenenfalls gegen eine Karriere entscheiden zu dürfen, ohne deswegen verurteilt und abgestempelt zu werden.
Schade, dass es immer noch in den Köpfen der meisten so verankert ist, dass der Job als Mutter und Hausfrau nichts wert ist. Nur eine Frau, die draußen ihr Geld verdient wird anerkannt und wird respektiert. Bekommt Komplimente und Anerkennung.

Bedeutet Feminismus nicht eigentlich, dass wir Frauen uns alle unterstützen sollten? In allen Bereichen?

Zeit für einen neuen Feminismus


Wie wäre denn es denn, wenn wir anfangen, keine falschen Vorurteile mehr zu fällen und nicht mehr in Schubladen zu denken. Frauen, die aus Überzeugung einen größeren Teil ihrer Lebenszeit dem gemeinsamen Leben mit ihren Kindern widmen wollen, nicht zu verurteilen, sondern zu supporten.

" Wir Frauen haben heutzutage die Chance, unser Leben, so frei wie noch nie zu gestalten. Es zu nutzen, wie wir wollen! Jede Frau und ihre Beweggründe zu unterstützen. Ganz egal, welche Lebenspläne sie verfolgt, ob sie kinderlos bleiben möchte oder sich eine Großfamilie wünscht, ob sie Top-Managerin werden möchte oder Vollzeitmutter.
Gewiss, wir Frauen haben es auch im 21. Jahrhundert immer noch schwerer als Männer, all unsere Ziele zu erreichen. Aber wir dürfen nicht vergessen, wie weit wir schon gekommen sind. Und nur, wenn wir es wagen, alles zu wollen, werden wir auch alles bekommen..."


Eure Teresa

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